Werdegang

Als Drehbuchautorin und Mutter von zwei Kindern stieß ich durch eine Recherche zu einem Drehbuch über häusliche Gewalt auf die Bücher von Jesper Juul.

Seit ich dort gelesen habe, dass man mit Worten genauso schlagen kann wie mit Händen, änderte sich mein Verständnis zu meiner persönlichen Kommunikation mit anderen grundlegend.

Bei einem Tagesseminar, das Juul im Oktober 2010 in Berlin anbot, begeisterte mich die Einfachheit seines Ausdrucks. Kurzentschlossen enschied ich mich, mich als eine von drei Quereinsteigern am Deutsch-Dänischen Institut für Familientherapie zu bewerben, das eine vierjährige Ausbildung zum Familientherapeuten nach seinen Ansätzen und unter seiner Mitwirkung anbietet.

Konkret habe ich gelernt, mich den eigenen Themen von Freude, Trauer, Wut, Aggressionen und Scham zu stellen. Es ist nicht so, dass ich dies nicht mehr empfinden würde, dass sie sich dadurch auflösen. Eher im Gegenteil. Nur begegne ich Menschen heute aufrichtig mit diesen Gefühlen. Das fördert Wohlwollen, Gelassenheit und ebenjene Einfachheit.

Auch wenn manche Prozesse dabei sehr schmerzhaft sind und waren hat sich meine Lebensqualität in Familie und Beruf verbessert.

Es ist schön zu erleben, wenn Kinder so unmittelbar mit ihren Impulsen auf Veränderung in Sprache und Verhalten reagieren. Wenn nicht mehr sie die Verantwortung für die Beziehungsqualität übernehmen, sondern die Verantwortung dort ist, wo sie hingehört, bei mir, der Erwachsenen.

So überraschte mich in diesem Sommer unsere Tochter zum Beispiel mit folgendem Satz: "Kann Jesper Juul nicht auch die Leute in Korea beraten, bei uns zu Hause hat es ja auch geklappt." Sie stand vom Esstisch auf, noch bevor ich meinen Mund schließen und meinen Kopf anschalten konnte, und stellte ihren Teller an der Spüle ab. Ich holte tief Luft und sah sie an. Dann antwortete ich: „Unsere Art des Umgangs miteinander und mit euch war für dich also vergleichsweise so zerstörerisch, als wenn wir uns mit Atomwaffen bedroht hätten?“ „Ja.“ „Und jetzt?“ Sie sieht ihren Bruder an, dann uns, „Jetzt hört ihr uns zu.“